41 Prozent der Schweizer Bevölkerung hat eine Migrationsgeschichte. Vielfalt ist längst gelebte Realität in der Schweiz. Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, Sprachen, Gewohnheiten, Religionen, Interessen und Fähigkeiten tragen täglich zum wirtschaftlichen und kulturellen Reichtum des Landes bei.
Migrant:innen arbeiten in zentralen Branchen wie der Pflege, Gastronomie, Logistik, Bau, Bildung oder Forschung, sie zahlen Steuern und haben den Wohlstand der Schweiz über Jahrzehnte entscheidend mitaufgebaut. Trotzdem werden sie von der rechten Politik wieder und wieder instrumentalisiert – als Projektionsfläche für Ängste, als Sündenböcke, als Symbol für eine angebliche «Überfremdung». Statt Anerkennung erfahren sie Misstrauen, Abwertung und Ausschluss. Die bürgerliche Politik hat ein Interesse daran, dass Einheimische und Eingewanderte sich misstrauisch begegnen, statt Solidarität zu leben. Wer um Wohnungen und Arbeitsplätze konkurrenziert, kann sich nicht organisieren, um für faire Löhne und günstigen Wohnraum zu kämpfen.
Diese Diskrepanz ist nicht nur ungerecht, sie macht viele Menschen krank und untergräbt auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wer hier lebt und zur gemeinsamen Zukunft beiträgt, hat das Recht, am Reichtum und den politischen Entscheidungen des Landes beteiligt zu sein. Faire Einbürgerungensverfahren, gleiche Rechte unabhängig vom Pass, Schutz vor Diskriminierung und tatsächliche Teilhabe sind keine Gefälligkeiten – sie sind demokratische Selbstverständlichkeiten und stärken uns alle.
Vielfalt leben bedeutet deshalb, konsequent gegen Rassismus und Antisemitismus, Sexismus oder Queerfeindlichkeit vorzugehen, Barrieren im Alltag abzubauen und Strukturen zu schaffen, die Gleichberechtigung ermöglichen. Es heisst auch, Gewalt gegen Frauen und queere Menschen nicht zu tolerieren, Lohngleichheit durchzusetzen, inklusive Bildungswege zu sichern und Zugang zu bezahlbarem Wohnen und Gesundheitsversorgung für alle zu sichern.
Eine Gesellschaft, die Vielfalt schützt und fördert, stärkt nicht nur marginalisierte Gruppen, sie stärkt uns alle. Wo Menschen frei von Angst, Diskriminierung und materieller Unsicherheit leben können, entsteht Solidarität und der Zusammenhalt, den eine demokratische Zukunft braucht. Vielfalt ist kein Risiko. Vielfalt ist die Grundlage unseres Wohlstands – und das Versprechen, dass alle ein gutes Leben führen können.
